Für Lehrkräfte
Wort des Tages in der Grundschule: Ablauf, Wochenplan und Ideen
Ein einziges Wort, fünf bis zehn Minuten am Morgen, und die Klasse ist bei der Sache. Hier steht, wie das Ritual Schritt für Schritt abläuft, wie du es für Klasse 1 bis 4 anpasst und wie freitags ein kleines Ratespiel daraus wird.
Das Wort des Tages ist in der Grundschule ein kurzes Ritual für den Start in den Schultag. Jeden Morgen steht ein einziges Wort im Mittelpunkt: Die Kinder sprechen es, schwingen es in Silben, untersuchen es, schreiben es, malen es und benutzen es in einem Satz. Das dauert fünf bis zehn Minuten und läuft jeden Tag gleich ab. Genau das ist der Kniff. Die Kinder kennen den Ablauf und können sich ganz auf das Wort konzentrieren. Nach ein paar Wochen übernehmen sie einzelne Schritte selbst.
Der Ablauf in sechs Schritten
- Aufdecken. Das Wort steckt in einem Umschlag, hängt verdeckt an der Wand oder erscheint erst mit einem Klick auf der digitalen Tafel. Ein Kind darf es aufdecken. Die fünf Sekunden Spannung lohnen sich.
- Sprechen und schwingen. Alle lesen das Wort gemeinsam, dann wird es in Silben geschwungen oder geklatscht. Wie viele Silben hat es? Welchen Laut hörst du am Anfang?
- Untersuchen. Buchstaben zählen, Vokale einkreisen, die knifflige Stelle markieren. Bei Schnecke ist es das ck, bei Fahrrad das doppelte r.
- Schreiben. Erst mit dem Finger in die Luft oder auf den Rücken des Nachbarkinds, dann ins Heft. Wer mag, macht daraus eine kleine Merkübung: anschauen, abdecken, aus dem Kopf schreiben, vergleichen.
- Malen. Ein kleines Bild neben dem Wort. Bei Nomen geht das leicht, bei Verben und Adjektiven wird es spannend: Wie malt man „leise“?
- Benutzen. Ein Satz mit dem Wort, mündlich für alle, schriftlich für die, die schon so weit sind. Zum Schluss die Frage: Wer findet ein verwandtes Wort? Schnecke, Schneckenhaus, Schneckentempo.
Danach wandert die Wortkarte an die Wortwand. Am Freitag hängt dort eine kleine Reihe, und nach einem Schuljahr ist es eine lange Wörterschlange, auf die die Klasse zu Recht stolz sein kann.
Raten statt aufdecken: das Wort mit heiß und kalt suchen
Ab und zu lohnt es sich, das Wort nicht aufzudecken, sondern suchen zu lassen. Das funktioniert wie Topfschlagen, nur dass das Versteck ein Wort ist. Du schreibst das Wort auf einen Zettel und drehst ihn um. Die Kinder nennen Wörter, und du antwortest nur mit einer Temperatur: kalt, lauwarm, warm oder heiß. Wer „heiß“ hört, weiß: Von der Bedeutung her sind wir ganz nah dran. Ganz nebenbei merken die Kinder, dass Wörter Nachbarn haben. Und sie hören einander genau zu, weil jede Antwort beim nächsten Vorschlag hilft.
An einem windigen Herbstmorgen könnte eine Runde so aussehen:
- Fußball11 °Ckalt
- Herbst44 °Clauwarm: Dann lässt man ihn steigen
- Feuer47 °Clauwarm: Jemand dachte an den Drachen mit Flügeln
- Wind68 °Cheiß
- Schnur77 °Cheiß: Ohne die fliegt er davon
- Luftballon86 °Cglühend heiß: fliegt auch und hängt an einer Schnur
- DrachenGefunden!
Das Feuer zeigt nebenbei, dass Drachen ein Teekesselchen ist. Solche Momente sind im Deutschunterricht Gold wert.
Übrigens gibt es noch ein zweites Wort des Tages, ein verstecktes. Bei Warmer Warmer heißt das tägliche Rätsel genauso: Jeden Tag wartet dort ein geheimes Wort, für alle dasselbe, und zu jedem Versuch sagt das Spiel die Temperatur an, von Eiskalt bis Glühend heiß. Es ist kostenlos und läuft im Browser, ohne App und ohne Anmeldung. Auf der digitalen Tafel kannst du die Vorschläge der Kinder eintippen, und die ganze Klasse sieht, ob es wärmer wird. Niemand kennt das Wort vorher, auch du nicht. Du rätst also mit.
Zwei Dinge solltest du wissen. Das Wort wird nicht extra für Kinder ausgesucht, es ist mal leicht und mal knifflig. Es passt deshalb eher zu Klasse 3 und 4, für die Kleinen ist die Fassung ohne Bildschirm mit deinem eigenen Wort besser. Und hast du das Wort des Tages schon selbst gelöst, kennst du es natürlich. Dann nimm für die Klasse lieber ein eigenes Wort. Am besten probierst du das Spiel vorher einmal allein aus. Morgen gibt es ohnehin ein neues Wort.
Ein Wochenplan für den Herbst
Ein Thema für die ganze Woche macht das Aussuchen leichter. Hier ein Beispiel für eine Woche im November, jeden Tag mit den sechs Schritten und einem kleinen Extra:
- Montag: Blatt. Kurz, mit doppeltem t. Extra: Einzahl und Mehrzahl, ein Blatt, viele Blätter. Warum wird aus dem a ein ä?
- Dienstag: Regenjacke. Ein zusammengesetztes Wort. Extra: zerlegen und neu bauen, etwa Regenschirm, Regentropfen, Winterjacke, Jackentasche.
- Mittwoch: leuchten. Ein Verb, passend zur Zeit um den Martinstag am 11. November, wenn vielerorts Laternenumzüge stattfinden. Extra: Was leuchtet noch?
- Donnerstag: neblig. Ein Adjektiv. Extra: die Wortfamilie sammeln, Nebel, neblig, Nebelhorn, und das Gegenteil suchen: klar oder sonnig.
- Freitag: Ratefreitag. Kein Wort zum Aufdecken, sondern eins zum Suchen, zum Beispiel der Drachen aus der Runde oben. Die Wörter der Woche sind gute erste Versuche.
Klasse 1 bis 4: so wächst das Wort des Tages mit
Der Ablauf bleibt gleich, nur die Wörter und die Aufgaben wachsen mit den Kindern.
Klasse 1: hören, klatschen, malen
Kurze, lautgetreue Wörter wie Oma, Sofa, Nase oder Tomate. Am Anfang steht ein Bild neben dem Wort, und es reicht völlig, wenn die Kinder den ersten Laut heraushören, die Silben klatschen und das Wort malen. Geschrieben wird mit der Anlauttabelle, Laut für Laut. Ein Riesenspaß in Klasse 1: Ab und zu ist der Name eines Kindes das Wort des Tages.
Klasse 2: Nomen, Mehrzahl, schwierige Stellen
Jetzt kommen der Artikel, die Großschreibung und die Mehrzahl dazu. Wörter mit doppeltem Mitlaut, ck und tz bieten sich an: Sonne, Jacke, Katze. Den Satz schreiben die Kinder nun auch auf, statt ihn nur zu sagen. Ein eigenes kleines Heft für die Wörter des Tages macht die Sammlung sichtbar, und die Kinder blättern gern darin zurück.
Klasse 3: Wortfamilien und Strategien
Wortfamilien, zusammengesetzte Nomen und die Wortarten rücken in den Mittelpunkt. Gut geeignet sind Wörter, an denen sich eine Rechtschreibstrategie zeigen lässt: Hund wird zu Hunde verlängert, und schon hört man das d. Bäume leitet man von Baum ab. Wer mit FRESCH arbeitet, kann die Woche nach den Strategien bauen: ein Schwingwort, ein Verlängerungswort, ein Ableitungswort, ein Merkwort.
Klasse 4: Bedeutungen und Fremdwörter
Die Wörter dürfen jetzt seltener sein, auch Fremdwörter wie Experiment oder Fantasie. Die Kinder schlagen die Bedeutung im Wörterbuch nach, suchen Wörter mit ähnlicher und mit gegenteiliger Bedeutung und erklären das Wort, ohne es zu sagen. Spannend sind Wörter mit zwei Bedeutungen wie Schloss oder Bank. Und ab jetzt kann jede Woche ein Kind das Wort des Tages aussuchen und der Klasse vorstellen.
Ideen, damit das Ritual frisch bleibt
- Die Wortkiste. Die Kinder werfen eigene Vorschläge auf Zetteln ein. Einmal pro Woche wird gezogen.
- Die Wortjagd. Wer das Wort des Tages im Lauf des Vormittags in einem Buch, auf einem Plakat oder im Gespräch entdeckt, darf einen Strich an die Tafel machen.
- Der Satz des Tages. Für Klassen, die schon sicher schreiben: Aus dem Wort wird ein ganzer Satz, den alle gemeinsam verbessern.
- Viele Sprachen. Für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, gibt es eine Bildkarte und den Artikel dazu. Und die ganze Klasse fragt: Wie heißt das Wort bei dir zu Hause?
- Ein Rätsel statt einer Karte. Du beschreibst das Wort in einem kleinen Rätsel, die Klasse rät. Ideen dafür stehen in Rätsel des Tages mit Lösung.
- Der Aushang. Ein fester Platz an der Klassentür mit der Überschrift „Wort des Tages“. Eltern, die ihr Kind abholen, lesen mit und fragen nach.
Und nach ein paar Wochen
Irgendwann fragen die Kinder morgens schon an der Tür, was heute im Umschlag steckt. Mehr braucht ein gutes Ritual nicht.
Wer weitere Wortspiele für den Unterricht sucht: Wörter mit zwei Bedeutungen sammelt Teekesselchen-Wörter, und Stadt Land Fluss funktioniert in jeder Klasse. Warum das alte „kalt, wärmer, heiß“ auch Erwachsene noch packt, erzählt Topfschlagen für Erwachsene.
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